Blue Collar Recruiting
Der Fachkräftemangel trifft kaum einen Bereich so stark wie das gewerbliche und handwerkliche Umfeld, den so genannten Blue-Collar-Bereich. Überall fehlt es an qualifizierten Mitarbeitenden, die anpacken können. Viele Betriebe müssen Aufträge ablehnen oder ihren Mitarbeiter*innen Überstunden abverlangen, weil schlichtweg das Personal fehlt. Wie lässt sich das ändern? Wir geben Tipps für das Blue Collar Recruiting.
Übersicht
Definition: Was ist Blue Collar Recruiting?
Der Begriff Blue Collar Recruiting beschreibt die gezielte Personalgewinnung von handwerklichen Fachkräften – also von Mitarbeitenden, die meist praktisch, körperlich oder technisch arbeiten. Der Ausdruck „Blue Collar“ (übersetzt: „blauer Kragen“) stammt ursprünglich aus den USA und bezieht sich auf die blauen Arbeitshemden, die in vielen handwerklichen oder industriellen Berufen getragen wurden. Typische Blue-Collar-Berufe finden sich unter anderem im Handwerk, in der Logistik, in der Produktion, im Bauwesen, in der Pflege oder im Einzelhandel.
Blue Collar und White Collar: Was sind die Unterschiede?
Die Begriffe Blue Collar und White Collar beschreiben zwei klar voneinander abgegrenzte Gruppen von Beschäftigten. Blue Collar-Arbeitnehmer*innen arbeiten überwiegend praktisch, körperlich oder handwerklich. Typische Tätigkeiten finden sich in der Produktion, im Handwerk, in der Logistik, im Bauwesen oder in der Pflege. Entscheidend sind hier praktische Fähigkeiten, Erfahrung und die Bereitschaft, anzupacken.
White Collar-Mitarbeitende hingegen sind vor allem im Büro, in der Verwaltung, im Management oder der Beratung tätig. Ihre Aufgaben sind häufig analytisch, strategisch oder organisatorisch geprägt, und akademische Abschlüsse spielen eine zentrale Rolle. Der Begriff leitet sich von den klassischen weißen Hemden ab, die in diesen Berufen getragen werden.
Wie wirken sich die Unterschiede auf das Recruiting aus?
Die Unterschiede zeigen sich nicht nur in der Art der Arbeit, sondern auch in der Ansprache und im Recruiting. Während White Collar Recruiting stark auf Plattformen wie LinkedIn oder XING setzt, erfordert Blue Collar Recruiting andere Kanäle und Methoden, etwa regionale Jobportale, Social Media, persönliche Empfehlungen oder Direktansprache. Wer die Unterschiede versteht, kann seine Recruiting-Strategie gezielt auf die jeweilige Zielgruppe ausrichten und so die richtigen Fachkräfte gewinnen.
Herausforderungen im Blue Collar Recruiting
Werfen wir hier zunächst mal einen Blick auf Zahlen. Die Jobbörse XING veröffentlichte kürzlich den Bewerbungsreport 2025. Hier schneidet der Blue-Collar-Bereich eher schlecht ab: „Keine andere Branche wartet so lange auf den Erhalt der ersten Bewerbung wie der Energie-Sektor.“
Auch bei der Zeit bis zum ersten Interview liegt die Blue-Collar-Branche etwas über dem Durchschnitt:
Die Liste der längsten Wartezeiten, bis eine Einstellung erfolgt, wird ebenfalls angeführt: „Die Blue-Collar-dominierten Branchen Industrie & Maschinenbau sowie Transport & Logistik führen die Liste der Sektoren mit den längsten Besetzungszeiten an. Nahezu drei Monate warten Unternehmen aus diesen Bereichen im Schnitt auf eine erfolgreiche Einstellung.“
Ursachen für die Schwierigkeiten beim Blue Collar Recruiting
Woran liegt es, dass insbesondere der Blue-Collar-Bereich solche Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen hat? Eine der größten Hürden ist seit Jahren der Fachkräftemangel. Viele handwerkliche und gewerbliche Berufe sind stark nachgefragt, gleichzeitig gehen erfahrene Mitarbeitende in Rente und Nachwuchs bleibt aus.
Zudem spielen Imageprobleme eine Rolle. Handwerkliche oder gewerbliche Berufe genießen nicht immer das Prestige, das sie verdienen. Viele potenzielle Kandidat*innen unterschätzen die Entwicklungsmöglichkeiten, die diese Jobs bieten und bewerben sich von vornherein nicht.
Nicht zuletzt sorgt auch die Konkurrenz durch andere Arbeitgeber für zusätzlichen Druck. Unternehmen müssen sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, um Fachkräfte nicht an die Mitbewerber zu verlieren. Dabei sind schnelle Bewerbungsprozesse, Wertschätzung und klare Kommunikation entscheidend.
Blue Collar Recruiting: Effektive Strategien
Eine weitere Herausforderung ist die digitale Erreichbarkeit der Zielgruppe. Anders als bei White-Collar-Bewerber*innen sind viele Blue-Collar-Fachkräfte nicht regelmäßig auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn aktiv.
Blue Collar Worker haben bei der Jobsuche oft andere Wege und Gewohnheiten als kaufmännische Zielgruppen. Blue-Collar-Kandidat*innen setzen vielmehr auf regionale Jobportale, Social Media und persönliche Netzwerke.
Blue Collar Recruiting funktioniert nur, wenn Sie Ihre Zielgruppe dort erreichen, wo sie tatsächlich aktiv ist. Das kann Facebook, Kleinanzeigen oder auch ein lokales Jobportal wie Regio-Jobanzeiger sein. Wichtig ist, die Botschaften klar, direkt und praxisnah zu formulieren.
Wie heben Sie sich hier als Top-Arbeitgeber hervor? Wir empfehlen die folgenden Methoden und Strategien:
#1 Mit Videos erfolgreich Talente gewinnen
Authentische Videos sind zum Beispiel auf Social Media ein wirkungsvolles Mittel, um Ihre Zielgruppe emotional zu erreichen. Kurze Clips aus dem Arbeitsalltag, Interviews mit Mitarbeitenden oder Einblicke in die Produktion vermitteln ein echtes Bild von Ihrem Unternehmen. Dabei zählt nicht die geschönte Optik, sondern die Glaubwürdigkeit: Wer zeigt, wie der Job wirklich aussieht, weckt Vertrauen und Interesse.
#2 Bewerbungen einfach und schnell gestalten
Im Blue Collar Recruiting ist Einfachheit entscheidend. Lange Formulare oder umständliche Online-Portale führen häufig zu Abbrüchen im Bewerbungsprozess. Setzen Sie lieber auf unkomplizierte Wege: zum Beispiel Bewerbungen per WhatsApp, Telefon oder mit wenigen Klicks über Social Media. Je niedriger die Hürde, desto höher die Bewerbungsquote.
#3 Spot on: Das Handwerk wieder ins Rampenlicht rücken
Viele handwerkliche Berufe leiden unter einem veralteten Image. Sie sollten aktiv daran arbeiten, das Handwerk als zukunftssichere, sinnstiftende und moderne Berufswahl zu präsentieren. Storytelling, Mitarbeiterporträts und Einblicke in Karrieremöglichkeiten helfen zum Beispiel auf Ihrer Karriere-Website oder in Stellenanzeigen, das Ansehen dieser Berufe nachhaltig zu stärken.
#4 Vielfalt nutzen: Mehrsprachige Teams richtig ansprechen
In vielen industriellen Betrieben arbeiten internationale Teams. Nutzen Sie diese Vielfalt bewusst in Ihrer Kommunikation. Mehrsprachige Stellenanzeigen oder Videos in verschiedenen Sprachen signalisieren Offenheit und erleichtern den Zugang für ausländische Fachkräfte. So schaffen Sie Vertrauen und erweitern Ihren Kreis.
#5 High Level Recruiting: Effiziente Prozesse für Masseneinstellungen
Gerade in der Logistik und Produktion müssen oft viele Stellen gleichzeitig besetzt werden. Digitale Bewerbermanagement-Systeme, automatisierte Vorauswahlprozesse oder standardisierte Telefoninterviews helfen, Bewerbungen schneller zu prüfen und Entscheidungen zügig zu treffen – ohne an Qualität zu verlieren.
#6 Früh fördern: Ausbildungsinitiativen mit Wirkung
Langfristig erfolgreiches Blue Collar Recruiting beginnt mit Nachwuchsförderung. Schulen, Berufsmessen und Kooperationen mit Handwerkskammern bieten die Chance, junge Talente frühzeitig zu begeistern. Authentische Einblicke in Berufe und moderne Ausbildungsmodelle schaffen langfristige Bindung und sichern den Fachkräftenachwuchs.
Daten statt Bauchgefühl: Recruiting-Erfolge sichtbar machen
Erfolgreiches Blue Collar Recruiting basiert nicht auf reinem Zufall, sondern auf messbaren Ergebnissen. Werten Sie Ihre Maßnahmen regelmäßig aus, erkennen Sie schnell, welche Kanäle funktionieren und wo Optimierungspotenzial besteht. Folgende Kennzahlen helfen Ihnen dabei:
- Cost-per-Application: Zeigt, wie viel eine eingegangene Bewerbung im Durchschnitt kostet, also das Verhältnis zwischen den gesamten Recruiting-Ausgaben und der Anzahl der Bewerbungen.
- Time-to-Hire: Beschreibt die Zeitspanne zwischen der Stellenausschreibung und der finalen Einstellung. Je kürzer, desto effizienter der Prozess.
- Conversion Rates: Misst, wie viele Interessierte tatsächlich den nächsten Schritt im Bewerbungsprozess gehen, zum Beispiel vom Klick auf eine Anzeige bis zur eingereichten Bewerbung.
Die Zukunft des Blue Collar Recruitings
Werfen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft. Das Recruiting im industriellen und produzierenden Bereich steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Neue Technologien, veränderte Kommunikationsgewohnheiten und der anhaltende Fachkräftemangel machen es notwendig, klassische Prozesse zu überdenken:
Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelligenz wird das Blue Collar Recruiting in den kommenden Jahren deutlich verändern. Durch den Einsatz von KI-gestützten Tools können Bewerberdaten effizienter ausgewertet, passende Kandidat*innen schneller identifiziert und wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden.
Darüber hinaus kann eine Künstliche Intelligenz helfen, Stellenanzeigen gezielter auszuspielen. Beispielweise durch automatisierte Zielgruppenanalysen oder die Optimierung von Texten. Somit können Recruiting-Kampagnen effektiver gestaltet und Budgets effizienter eingesetzt werden.
Automatisierung
Automatisierung im Recruiting bedeutet, Routineprozesse (von der Bewerbung zur Einstellung) zu vereinfachen. Bewerbermanagement-Systeme (BMS) können Lebensläufe automatisch geprüft, Termine koordiniert und Standard-Mails versendet werden. Auch in der Kommunikation mit Bewerber*innen sorgt eine solche Automatisierung für Geschwindigkeit und Konsistenz: Bewerbungen gehen nicht verloren, Rückmeldungen erfolgen zeitnah und Kandidat*innen fühlen sich ernst genommen.
Sie sehen: Im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz schafft eine Automatisierung die Grundlage für ein datengetriebenes Recruiting, das gerade in Bereichen mit hoher Fluktuation oder saisonalen Spitzen (etwa Logistik oder Produktion) enorme Vorteile bietet.
Fazit: Blue Collar Recruiting als Zukunftsaufgabe
Blue Collar Recruiting ist längst kein Randthema mehr, sondern eine zentrale Herausforderung für Unternehmen in diesen Branchen. Wer auch in Zukunft ausreichend qualifizierte Fachkräfte gewinnen möchte, muss die Besonderheiten dieser Zielgruppe verstehen und ernst nehmen.
Mit dem Einsatz moderner Technologien lässt sich Recruiting nicht nur effizienter, sondern auch menschlicher gestalten. Denn am Ende geht es darum, Menschen zu erreichen, die mit ihrer Arbeit jeden Tag den Betrieb am Laufen halten.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die eigene Recruiting-Strategie weiterzuentwickeln – weg von Zufall und Bauchgefühl, hin zu datenbasierten, zielgerichteten Prozessen. Wer hier früh handelt, sichert sich langfristig einen entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb um die besten Blue Collar Talente.
Blue-Collar-Fachkräfte da erreichen, wo sie suchen: Mit unserem Jobbörsen-Paket platzieren Sie Ihre Stellenanzeige dort, wo Sie hingehört.
Vanessa Kammler
Ihr Kontakt zu uns
Fragen, Ergänzungen, Interesse? Schreiben Sie uns, wir beraten Sie gerne persönlich.
Bildquelle: pickawood; unsplash.com
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