Probearbeiten – Chance für beide Seiten!

Wenn Sie Bewerbende zum Probearbeiten einladen, ist das für beide Seiten spannend. Doch dabei gibt es einiges zu beachten – von rechtlichen Vorgaben bis zur richtigen Vorbereitung. Bei uns lesen Sie, wie Probearbeiten funktioniert, welche Vorteile es bringt und worauf Sie als Arbeitgeber*in achten sollten.

Probearbeiten zwei Frauen an einem Flipchart

Übersicht

Definition Probearbeiten: Was ist Probearbeiten?

Probearbeiten ist ein kurzer Zeitraum, in dem Bewerber*innen die Möglichkeit haben, den potenziellen Arbeitsplatz und das Team kennenzulernen und umgekehrt. Sie können sich dabei ein realistisches Bild von den Fähigkeiten und der Arbeitsweise Ihrer Bewerbenden machen. Es handelt sich um eine Art „Testphase“ vor der eigentlichen Anstellung.

Wichtig: Probearbeit ist kein Arbeitsverhältnis, sondern dient dem gegenseitigen Kennenlernen.

Was ist der Unterschied zwischen Probearbeit und Probezeit?

Probearbeit und Probezeit werden oft verwechselt. Beide Begriffe beschreiben unterschiedliche Phasen im Bewerbungsprozess. Während die Probearbeit meist nur wenige Tage dauert, ist die Probezeit Teil eines regulären Arbeitsvertrags. Wir erklären den Unterschied.

#1 Probezeit

Die Probezeit beginnt, wenn der Arbeitsvertrag bereits unterschrieben ist. Sie dauert in der Regel bis zu sechs Monate. Während dieser Zeit können sowohl Sie als Arbeitgeber als auch Ihre Bewerber*innen das Arbeitsverhältnis mit verkürzter Frist kündigen.

Die verkürzte Kündigungsfrist während der Probezeit beträgt in der Regel zwei Wochen, sofern im Arbeits- oder Tarifvertrag nichts anderes vereinbart wurde. Die Probezeit selbst darf maximal sechs Monate dauern. Ziel ist es, herauszufinden, ob beide Seiten langfristig zusammenpassen.

#2 Probearbeiten

Probearbeiten findet hingegen vor dem Abschluss eines Arbeitsvertrags statt. Es geht darum, praktische Einblicke zu geben und Fähigkeiten zu zeigen, oft an einem einzelnen Tag oder über wenige Stunden. Dabei steht nicht die volle Arbeitsleistung im Vordergrund, sondern das erste gegenseitige Kennenlernen.

Welche Vorteile hat Probearbeiten?

Probearbeiten hat viele Vorteile. So können sowohl Sie als Arbeitgeber als auch Bewerber*innen herausfinden, ob eine Zusammenarbeit wirklich passt.

#1 Praxisnahe Einschätzung der Fähigkeiten

Sie kennen das sicher auch. Bei einem Bewerbungsgespräch erzählen Bewerber*innen viel, doch erst im praktischen Einsatz zeigt sich, was sie wirklich können. Durch Probearbeiten können Sie als Arbeitgeber direkt beobachten, wie Bewerber*innen Aufgaben umsetzen, mitdenken und Probleme lösen. So erhalten Sie eine authentische Einschätzung der tatsächlichen Fähigkeiten.

#2 Überprüfung der kulturellen Passung

Jedes Team hat seine eigene Dynamik. Probearbeiten hilft dabei, herauszufinden, ob die Bewerbenden menschlich und kulturell ins Unternehmen passen. Stimmen Werte, Kommunikationsstil und Umgang miteinander? Diese Faktoren sind entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und werden im Probearbeiten schnell sichtbar.

#3 Vermeidung von Fehlentscheidungen

Eine falsche Personalentscheidung kann für Sie teuer und zeitaufwendig sein. Durch Probearbeiten reduzieren Sie dieses Risiko deutlich. Sie lernen Bewerber*innen realistisch kennen und vermeiden, jemanden einzustellen, der oder die später nicht ins Team passt oder die Erwartungen nicht erfüllt.

#4 Gegenseitiges Kennenlernen

Probearbeiten ist keine Einbahnstraße. Auch Bewerber*innen profitieren davon, den Betrieb, die Kolleg*innen und die Abläufe kennenzulernen. So entsteht Transparenz und am Ende fällt es beiden Seiten leichter, eine ehrliche Entscheidung zu treffen. Das stärkt das Vertrauen und sorgt für langfristig zufriedenere Mitarbeiter*innen.

Welche Nachteile kann Probearbeiten haben?

Probearbeiten kann aber auch Risiken bergen. Wenn Bewerbende unbezahlte Tätigkeiten ausführen, die eigentlich zur regulären Arbeit gehören, kann das rechtlich problematisch werden. Außerdem kann es für Bewerber*innen unangenehm sein, wenn sie keine klare Rückmeldung oder Orientierung erhalten. Arbeitgeber*innen sollten die folgenden Punkte im Blick behalten.

#1 Zeit- und Ressourcenaufwand

Probearbeiten bedeutet immer zusätzlichen Aufwand. Ihre Mitarbeiter*innen müssen Bewerbende einarbeiten, begleiten und beaufsichtigen. Das kostet Zeit und bindet Ressourcen, vor allem in kleinen Betrieben, wo die Personaldecke oft knapp ist. Wenn sich nach der Probearbeit herausstellt, dass der oder die Bewerbende nicht passt, war der Aufwand umsonst.

#2 Rechtliche Risiken

Werden während der Probearbeit produktive Tätigkeiten verrichtet, kann das schnell zu Problemen führen. Ohne klare Vereinbarung drohen Nachzahlungen oder Bußgelder, weil ein Arbeitsverhältnis vermutet werden kann. Auch das Thema Versicherung ist wichtig: Wenn Bewerbende bei der Probearbeit einen Unfall haben, kann das für Arbeitgeber*innen teuer werden, wenn keine Absicherung besteht. Deshalb sollten Sie immer rechtssichere Vereinbarungen treffen und sich über die aktuellen Vorschriften informieren.

Die Regelungen zum Probearbeiten laut dem Arbeitsrecht

Um genau diese Nachteile zu umgehen und von den Vorteilen zu profitieren, schauen wir uns mal alle Regelungen an. Arbeitsrechtlich ist Probearbeiten erlaubt, aber an bestimmte Bedingungen geknüpft. Die wichtigste Regel: Während der Probearbeit darf keine reguläre Arbeitsleistung erbracht werden, die sonst bezahlt werden müsste. Probearbeiten dient dem Kennenlernen, nicht der kostenlosen Mitarbeit. Wird aber tatsächlich gearbeitet, kann ein Anspruch auf Lohn entstehen.

Weitere wichtige Aspekte:

  • Dauer von Probearbeit: In der Regel dauert Probearbeiten ein bis drei Tage. Längere Zeiträume sind nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Das Ziel ist ein realistischer Einblick – kein kostenloser Arbeitseinsatz. Je nach Tätigkeit kann es auch ausreichen, Bewerber*innen für ein paar Stunden mitlaufen zu lassen.
  • Aufgaben beim Probearbeiten: Die Aufgaben beim Probearbeiten sollten überschaubar und erklärend sein. Bewerber*innen sollen die Gelegenheit bekommen, Abläufe kennenzulernen und einfache Tätigkeiten unter Anleitung zu übernehmen. Komplexe Aufgaben oder Alleinarbeit sind nicht erlaubt. Wichtig ist, dass Bewerber*innen keine Verantwortung tragen, die einer echten Arbeitsleistung entspricht.
  • Anmeldepflicht der Probearbeit: Ob eine Anmeldung nötig ist, hängt davon ab, ob Probearbeit bezahlt wird. Unbezahlte Probearbeit muss nicht bei der Sozialversicherung angemeldet werden. Wenn jedoch eine Vergütung gezahlt wird oder produktiv gearbeitet wird, besteht Anmeldepflicht. Arbeitgeber*innen sollten sich im Zweifel rechtlich beraten lassen, um Fehler zu vermeiden.

Alle wichtigen Inhalte in der Vereinbarung zum Probearbeiten

Eine schriftliche Vereinbarung schützt beide Seiten. Sie zeigt, dass die Probearbeit freiwillig ist und keine Verpflichtungen entstehen. Folgende Punkte sollten unbedingt enthalten sein:

Name des Bewerbenden

Der vollständige Name des Bewerbenden dient der eindeutigen Zuordnung und rechtlichen Sicherheit.

Ort der Probearbeit

Hier wird festgehalten, an welchem Standort oder in welcher Abteilung die Probearbeit stattfindet.

Bezahlung

Wichtig ist ein klarer Hinweis, ob und in welcher Form eine Bezahlung erfolgt. Wird keine gezahlt, sollte das ausdrücklich so vereinbart werden.

Zeitraum der durchgeführten Probearbeit

Geben Sie den genauen Zeitraum und die tägliche Arbeitszeit an. So sind Missverständnisse ausgeschlossen.

Ansprechpartner für den Bewerbenden

Eine verantwortliche Person sollte benannt werden, die den Bewerbenden betreut und anleitet.

Hinweis zur Freiwilligkeit der Teilnahme

Die Teilnahme an der Probearbeit muss freiwillig sein. Niemand darf dazu gezwungen oder unter Druck gesetzt werden.

Beidseitige Möglichkeit zur Beendigung der Probearbeit

Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, die Probearbeit jederzeit ohne Begründung zu beenden.

In 5 Schritten zum perfekten Probetag für Bewerbende und Arbeitgeber

Damit der Probetag reibungslos verläuft und bei Bewerber*innen einen positiven Eindruck hinterlässt, helfen Ihnen diese fünf einfachen Tipps.

#1 Klare Vorbereitung

Legen Sie im Voraus fest, welche Aufgaben gezeigt werden und wer den Bewerbenden begleitet. Eine gute Vorbereitung zeigt Professionalität und sorgt dafür, dass der Tag strukturiert abläuft. So vermeiden Sie Stress und schaffen von Anfang an eine angenehme Atmosphäre.

#2 Herzlicher Empfang

Begrüßen Sie Bewerber*innen offen und freundlich – idealerweise durch die Person, die auch später Ansprechpartner*in ist. Ein positiver erster Eindruck wirkt oft nachhaltiger als jede fachliche Leistung. Er signalisiert Wertschätzung und vermittelt, dass Ihr Unternehmen ein angenehmer Arbeitsplatz ist.

#3 Strukturierter Ablauf

Planen Sie den Probetag mit klaren Zeiten für Aufgaben, Pausen und Gespräche. Ein geordneter Ablauf gibt Bewerbenden Orientierung und zeigt, dass Sie organisiert sind. Gleichzeitig ermöglicht er Ihnen, gezielt Beobachtungen zu machen, statt spontan reagieren zu müssen.

#4 Ehrliches Feedback

Geben Sie am Ende des Tages eine Rückmeldung – offen, freundlich und ehrlich. Das zeigt Respekt und hilft Bewerbenden, ihre Leistung realistisch einzuschätzen. Auch wenn es nicht passt, bleibt Ihr Unternehmen durch ehrliche Kommunikation positiv in Erinnerung.

#5 Nachbereitung

Treffen Sie zeitnah eine Entscheidung, ob Sie den Bewerbenden einstellen möchten, und kommunizieren Sie diese schnell. Eine zügige Rückmeldung signalisiert Verlässlichkeit und steigert Ihr Ansehen als Arbeitgeber. So hinterlassen Sie einen professionellen Eindruck – unabhängig vom Ergebnis.

Bewerbenden nach der Probearbeit zu- oder absagen

Nach der Probearbeit sollten Sie schnell reagieren. Eine freundliche und klare Zu- oder Absage zeigt Professionalität und Wertschätzung. Egal, ob Sie sich für oder gegen eine Person entscheiden – wichtig ist, transparent und respektvoll zu kommunizieren.

Zusage

Wenn Sie überzeugt sind, dass der oder die Bewerber*in gut ins Team passt, sollten Sie zeitnah zusagen. Bedanken Sie sich für die Teilnahme an der Probearbeit und teilen Sie klar mit, wie es weitergeht. Idealerweise nennen Sie schon das Datum für den Vertragsstart oder laden zum finalen Gespräch ein. Eine schnelle, freundliche Rückmeldung hinterlässt einen positiven Eindruck und stärkt das Arbeitgeberimage.

Absage

Auch eine Absage sollte wertschätzend formuliert sein. Bedanken Sie sich für die investierte Zeit und das Engagement während der Probearbeit. Eine kurze, ehrliche Begründung hilft Bewerber*innen, die Entscheidung nachzuvollziehen. Ein respektvoller Umgang sorgt dafür, dass Ihr Unternehmen trotz Absage positiv in Erinnerung bleibt – wichtig für Ihr Employer Branding.

Fazit

Probearbeiten ist eine wertvolle Gelegenheit für beide Seiten: Sie gewinnen einen echten Eindruck von den Fähigkeiten, der Persönlichkeit und der Motivation Ihrer Bewerbenden – und diese wiederum können Ihr Unternehmen realistisch kennenlernen. Wenn Sie klare Rahmenbedingungen schaffen, transparent kommunizieren und den Probetag gut strukturieren, profitieren alle Beteiligten. So wird Probearbeiten zur fairen und erfolgreichen Entscheidungsgrundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.

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Bild von Charlene Thomas

Charlene Thomas

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Bildquelle: Christina Morillo; pexels.com