Seiteneinsteiger? Aber ja! Gute Gründe, Quer-einsteiger einzustellen

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt gehen im Jahr 2023 an der Stelle weiter, an der sie 2022 endeten: Sie spitzen sich immer weiter zu. Viele Unternehmen suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, um den Personalschlüssel zu halten und der Auftragslage Herr zu werden. Eine Lösung, um die Lücken in der Personaldecke zu füllen: Das Recruiting von Quereinsteigern und Quereinsteigerinnen. Worauf Sie achten müssen.

quereinsteiger

Übersicht

Was bedeutet Quereinsteiger? Eine Definition.

Als Quereinsteiger*in bzw. Seiteneinsteiger*in definiert man eine Person, die bewusst in ein ihr fachfremdes Arbeitsumfeld wechselt. Quereinsteiger*innen bringen dabei nicht die für die Position vorgesehene Ausbildung oder das Studium mit. Manche machen vor dem Wechsel in den neuen Job eine Umschulung – Zertifikate und Abschlüsse können allerdings auch während des neuen Angestelltenverhältnisses erworben werden.

Quereinsteiger*innen haben sich in der Regel aus eigenem Antrieb und Interesse in einen Fachbereich eingearbeitet, sich weitergebildet oder sogar umgeschult.

Doch nicht nur Angestellte, die sich beruflich umorientieren, auch Selbstständige, die die Branche wechseln, werden als Quereinsteiger bzw. Seiteneinsteiger bezeichnet.

Welche Gründe sprechen für einen Quereinstieg?

Die Gründe, die Branche zu wechseln und als Quereinsteiger zu arbeiten, sind sehr individuell. Meistens geht eine große Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job voraus oder jemand möchte sich in seinen Interessen und Herzensthemen verwirklichen. Weitere Motive können sein:

#1 Ein zu geringes Gehalt

Die Bezahlung ist einer DER Gründe schlechthin, den Job zu wechseln. Viele Arbeitnehmer*innen suchen sich eine neue Anstellung in einem Unternehmen, in dem sie für dieselbe Arbeit besser bezahlt werden. Mit ein wenig Glück wird in einer fachfremden Branche besser bezahlt – was dem Antrieb, als Quereinsteiger*in anzufangen, den letzten Boost gibt.

#2 Bedenken, durch die voranschreitende Digitalisierung „überflüssig“ zu werden
Arbeitsprozesse und Jobs, die noch vor einigen Jahren manuell durchgeführt wurden, werden zunehmend weniger analog abgearbeitet. Mit dieser Digitalisierung wurden viele Jobs hinfällig bzw. haben sich grundlegend verändert. Hinzu kommen häufig Umstrukturierungen im Unternehmen: Arbeitsplatzprofile ändern sich und nicht jede*r fühlt sich mit den neuen Aufgaben wohl – oder wird gar in der Karriere gehindert.
#3 Arbeitsunfähigkeit bedingt durch eine Krankheit oder einen Unfall

Einen Beruf erlernen und in diesem glücklich bis zur Rente arbeiten? Eine schöne Vorstellung, dennoch kommt es manchmal anders, als man denkt. Gerade Berufsgruppen mit schwerem körperlichem Einsatz sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, arbeitsunfähig zu werden. Somit muss sich eine betroffene Person fast schon zwingend einen anderen Beruf suchen – von Vorteil für alle, wenn er oder sie somit das Hobby zum Beruf machen kann.

#4 Eine zu geringe Nachfrage in der aktuellen Branche

Nicht nur der Fachkräftemangel, bzw. die akute Arbeiterlosigkeit machen einigen Branchen zu schaffen – auch die geringer werdende Nachfrage seitens der Kundschaft im Dienstleistungsbereich. Die Rezession schlägt bei jedem zu Buche, somit können sich viele Menschen nicht mehr „eben mal was gönnen“. Das führt in bestimmten Sektoren dazu, dass mehr Arbeitnehmer*innen entlassen werden und sich umorientieren müssen.

#5 Der Weg in die Selbstständigkeit

So mancher hegt auch den Traum, sich in einem neuen Bereich selbstständig zu machen. Das erfordert nicht nur ein gewisses Startkapital, sondern auch Mut und ein Talent, auf das man sich so gut versteht, dass man es zu seinem Beruf machen kann – ein echtes Herzensthema. Umso schöner, wenn sich Personen an einen Neustart trauen und den Weg in die selbstständige Laufbahn einschlagen.

#6 Die Corona-Pandemie

Während Covid-19 und den damit einhergehenden Lockdowns traf es einige Branchen besonders hart: Beispielsweise Jobs in der Gastronomie oder in körpernahen Dienstleistungen durften nicht ausgeübt werden. Zahlreiche Unternehmen mussten schließen und viele Menschen hatten in dieser Zeit kein geregeltes Einkommen. Dies nahmen sehr viele zum Anlass, nicht mehr in den ursprünglichen Beruf zurückzukehren und sich umzuorientieren.

#7 Interessen und Sinnstiftung

Präferenzen und Interessen ändern sich im Laufe des Lebens. Gerade im fort­geschrittenen Alter reflektieren viele Menschen ihren beruflichen Werdegang und orientieren sich nochmal um. Oftmals geht der Weg von der klassischen Karriereleiter weg, hin zur sinnstiftenden Beschäftigung mit einem persönlichen Herzensthema.

Chancen für Quereinsteiger: In welchen Berufen ist es möglich, branchenfremd zu arbeiten?

Prinzipiell ist es jedem Unternehmen erlaubt, eine Person einzustellen, die zur Position passt. Allerdings gibt einige rechtliche Rahmenbedingungen, die es zu beachten gilt. Es gibt geschützte Berufsbezeichnungen (festgelegt im § 132a Abs. 1 Nr. 2 StGB) wie zum Beispiel Apotheker, Arzt, Anwalt, Ingenieur und Wirtschaftsprüfer.

Ist eine solche Stelle offen, darf sie nur von jemandem besetzt werden, der ein Studium in diesem Beruf erfolgreich absolviert hat. Die genannte Liste ist jedoch noch nicht abschließend, denn andere Berufsbezeichnungen können ebenfalls geschützt sein oder werden. Hier muss man sich im individuellen Fall erkundigen.

Grundsätzlich ist es ebenfalls möglich, sich zum Beispiel mit seinem Hobby selbstständig zu machen. Ein Beispiel: Eine Person repariert leidenschaftlich gerne und gut Uhren. Er oder sie darf zwar eine Werkstatt sowie das dazugehörige Ladengeschäft eröffnen, darf sich aber nicht Uhrmacher*in nennen.

Kein Problem hingegen gibt es mit einem Quereinstieg bei nicht geschützten Berufsbezeichnungen wie beispielsweise Schauspieler*in, Sänger*in oder Künstler*in.

Seiteneinsteiger

Welche Vorteile für Unternehmen hat die Einstellung von Quereinsteigern?

Nicht nur für Arbeitnehmer*innen hat es Vorteile, als Seiteneinsteiger*in zu arbeiten. Auch die Unternehmen profitieren davon: 

#1 Dem Personalmangel entgegenwirken

Es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern generell an Arbeitnehmer*innen. Die Generation der Babyboomer wird nach und nach berentet und die Generationen X, Y und auch Z können die Lücke nicht füllen. Stepstone hat eine Hochrechnung durchgeführt: In den Jahren 2022 bis 2035 werden im Schnitt 397.000 Arbeitskräfte fehlen – pro Jahr. Stellen Sie Quereinsteiger*innen ein, wirken Sie somit dem Personalmangel aktiv entgegen.

#2 Niedrigschwelliger Zugang zu einem Beruf

Alle Berufe, die nicht zwingend eine spezielle Fachausbildung oder gar ein Studium vonnöten sind, können mit Quereinsteigern bzw. Quereinsteigerinnen besetzt werden. Die fehlenden fachlichen Skills werden on-the-job, also während der Arbeitszeit erlernt – ebenso können Zertifikate auch noch nachträglich erworben werden.

#3 Hohes Engagement

In der Regel sind Seiteneinsteiger*innen motiviert und engagiert bei der Sache. Sie haben sich aus eigenem Antrieb heraus dazu entschieden, sich branchenfremd zu bewerben und üben den Beruf mit Leidenschaft aus. noch nachträglich erworben werden.

#4 Entlastung der bisherigen Personalressourcen

Branchen wie beispielsweise die Pflege oder das Handwerk suchen händeringend nach Angestellten. Stellt ein Betrieb Quereinsteiger*innen ein, die ein Händchen für die zu erledigende Arbeit haben und dieser auch engagiert und motiviert nachgehen, entlastet automatisch das bereits vorhandene Personal.

Welche sind die beliebtesten Branchen für einen Seiteneinstieg?

Entscheidet sich eine Person, als Seiteneinsteiger*in die berufliche Laufbahn weiterzugehen, kommt es nicht nur auf persönliche Vorlieben und Präferenzen an. Das Talent spielt eine nicht weniger große Rolle – gehen wir von dem Fall aus, dass der neue Job kein geschützter Beruf ist.
Die folgenden Branchen sind aktuell besonders bei Quereinsteigern bzw. Quereinsteigerinnen beliebt:

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Vanessa Kammler

Als Redakteurin bei JOBmenü extrahiert sie gern spannende Erkenntnisse aus Studien, schreibt am liebsten Leitfäden und stellt Ihnen gern smarte Recruiting-Tricks vor.

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Bildquelle: George Milton; pexels.com